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Interviewer-Led vs Candidate-Led Case

Candidate-Led: Die größte Herausforderung ist die Strukturierung des Problems

Wie der Titel schon sagt, erwartet der Interviewer, dass der Bewerber ihn durch den Case "führt". Als Kandidat ist es Deine Aufgabe, den Case zu leiten, indem Du relevante Fragen stellst und deine Hypothesen entwickelst und überprüfst. Vom Bewerber geleitete Fälle sind die häufigste Art von Fällen. Du triffst sie bei den meisten großen Beratungsfirmen wie BCG, Bain und gelegentlich auch bei McKinsey. Ein Candidate-Led Case hat in der Regel die folgenden Merkmale:

  • Eine sehr allgemeine Beschreibung einer Situation
  • Eine sehr allgemeine Frage oder gar keine Frage
  • Der Interviewer lässt Dir völlige Freiheit in Bezug auf den Ansatz und die Struktur
  • Daten und Informationen werden meist auf Dein Verlangen hin bereitgestellt

Im Gegensatz zu Case-Interviews, die vom Interviewer geleitet werden, ist es für den Interviewer schwieriger, bestimmte Fähigkeiten zu testen, da der Bewerber selbst bestimmt, was er untersuchen oder worüber er sprechen möchte. Du hingegen musst als Bewerber gut darin sein, Hypothesen zu definieren und zu testen. Du brauchst einen klaren Fahrplan im Kopf, der es Dir ermöglicht, gezielte Fragen zu stellen, anstatt Deinen Gesprächspartner wahllos mit Fragen zu "bombardieren" und auf einen Glückstreffer zu hoffen.

Sei gründlich und außergewöhnlich strukturiert. Hier sind einige Aspekte, die Du bei einem Candidate-Led case berücksichtigen solltest:

  • Auf der Grundlage der Informationen, die Du durch Deine Fragen erhältst, stellst Du eine Hypothese auf, die Du mit weiteren Fragen überprüfst. Vergiss nicht, Deinem Gesprächspartner auch Deine Hypothese mitzuteilen.
  • Sei gründlich bei Deiner Untersuchung. Kratze nicht nur an der Oberfläche und nenne ein paar Ideen, sondern grabe tief in Deiner Hypothese, um herauszufinden, ob es eine mögliche Lösung gibt. Der Gesprächspartner würde Dich nicht auf die Lösung hinweisen wollen. Er/Sie wird wahrscheinlich kleine und subtile Hinweise geben, um zu sehen, wie Du reagierst. Damit das funktioniert, müssen Deine Fragen sehr spezifisch sein.
  • Sei besonders strukturiert, wenn Du einen Case bearbeitest. Du musst in der Lage sein, den Überblick über Deine Daten zu behalten. Die Interviewer werden sich für die Synthese interessieren, d.h. dafür, wie Du Deine Schlussfolgerungen gezogen hast. Außerdem könnten neue Informationen Dich dazu bringen, in Deiner Argumentation einige Schritte zurückzugehen. Eine gute Struktur und gründliche Notizen sind der Schlüssel!
  • Sei darauf vorbereitet, Fragen zu Details zu beantworten, die aufgrund der von Dir gewählten Vorgehensweise nicht behandelt werden konnten, die aber dennoch für den Gesprächspartner wichtig sind.
  • Sobald klar wird, was der entscheidende Faktor ist, formuliere Deine Hypothese neu und prüfe sie!

Interviewer-Led Case: Die Herausforderung besteht darin, sich schnell anzupassen und strukturiert zu sein

Interviewer-Led Cases werden bei McKinsey am häufigsten eingesetzt. Wie der Titel schon sagt, führt der Interviewer das Case-Interview straffer durch. Im Folgenden findest Du einige Indikatoren, die auf ein Case-Interview mit dem Interviewer hindeuten:

  • Eine sehr spezifische Fallfrage
  • Entweder bekommst Du eine Menge Daten und eine erste Aufschlüsselung von Teilproblemen oder Du bekommst ein weit gefasstes Problem und musst es so genau wie möglich strukturieren. Nach der Strukturierung wird Dir der Interviewer unabhängig von Deiner Struktur eine Reihe vorgegebener Fragen stellen (das kann abrupt geschehen, also werde nicht nervös, wenn das passiert!)
  • Vom Interviewer verursachte Unterbrechungen mit Wendungen, die nicht aus der Analyse des Kandidaten resultieren
  • Viele vorgegebene Daten während des Cases, z. B. Tabellen oder Diagramme
  • Fragen der Art "Was noch"
  • Fragen der Art "Bitte erläutern Sie mehr im Detail".

Case-Interviews im McKinsey-Stil geben dem Interviewer eine direktere Möglichkeit, bestimmte Fähigkeiten zu testen, die er über Dich erfahren möchte, und Schwachstellen zu erkennen.

Bleib auf dem Fahrersitz und hüte Dich vor "Curveball"-Fragen

Trotz des Namens dieser Case-Klasse muss der Bewerber das Case-Interview insgesamt aktiv leiten. Besonders bei Case-Interviews, die vom Interviewer geleitet werden, besteht der größte Fehler darin, passiv und unstrukturiert zu werden und sich vom Interviewer leiten zu lassen. Du musst besonders strukturiert sein, um das Gespräch zu führen. Sei auf Unterbrechungen vorbereitet und rechne damit, dass sie Hypothesen widerlegen oder Dich zwingen, einen völlig neuen Rahmen zu entwickeln.

  • Behalte das große Ganze im Auge. Wenn der Gesprächspartner Dir implizit eine Hypothese vorgibt, die Du überprüfen sollst, behalte andere Problemquellen oder mögliche Lösungen im Hinterkopf. Du könntest sie später noch brauchen.
  • Halte Dich an den Grundsatz "Mutually Exclusive Collectively Exhaustive" (MECE). Das hilft dir, vorbereitet zu sein und Fragen wie "Was noch?" und "Erklären Sie das genauer" strukturell auszuwerten. Wenn Du Deine Antworten in einen MECE-Framework einordnest, vermeidest Du eine wahllose und unstrukturierte Sammlung von Ideen. Der größte Unterschied zu Candidate-Led case besteht darin, dass Du in der Regel eine ausführliche Liste von Hypothesen aufstellen musst.
  • Hüte Dich vor unangenehmen Fragen und Stresstests. Case-Interviews werden manchmal eingesetzt, um zu beurteilen, ob ein Bewerber mit Druck umgehen kann. Es kann sein, dass der Interviewer Deine Zeit absichtlich verkürzt, um Dinge zu berechnen, dass er/sie sich ungeduldig zeigt oder dass er/sie die Richtung des Falls unerwartet ändert. Hier ist es am besten, Ruhe zu bewahren und sich der Situation anzupassen.

Wichtige Schlussfolgerungen

  • Bei Candidate-Led case geht es um Deine Fähigkeit, ein umfassendes Problem zu "knacken".
  • Bei Interviews im McKinsey-Stil geht es darum, dass Du in der Lage bist, auf MECE-Art zu analysieren. Du wirst höchstwahrscheinlich in einen stressigen Moment geraten. Halte immer inne und denke strukturiert nach
     
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