Manchmal geraten Unternehmen finanziell unter Druck. Zum Beispiel, wenn die Gewinne auf EBIT- oder EBITDA-Niveau sinken, die Verschuldung steigt oder es kurzfristig Probleme beim Free Cash Flow gibt, die sich auch in der Kapitalflussrechnung zeigen. Wenn solche Schwierigkeiten über längere Zeit bestehen bleiben und nicht früh genug gelöst werden, kann das schlimmste Szenario eintreten: die Insolvenz.

In diesem Fall kann das Unternehmen seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr pünktlich erfüllen. Rechnungen bleiben liegen, Kredite können nicht mehr bedient werden und das Geld reicht schlicht nicht aus. Häufig verschlechtern sich zusätzlich Kennzahlen wie das Nettoumlaufvermögen, was die Liquiditätslage weiter belastet.

Sobald ein Unternehmen bereits insolvent ist oder kurz davorsteht, kann es sich Unterstützung holen. Zum Beispiel von Teams aus Restrukturierungsberatung, Distressed-Debt-Investor:innen im Bereich High Yield Debt oder Turnaround-Consulting.

Im Folgenden erfährst du, was Insolvenz wirklich bedeutet, wie sie festgestellt wird, wie man ihr vorbeugen kann und welche Konsequenzen sie für Unternehmen, Gläubiger:innen und Gesellschafter:innen hat.
 


Was genau bedeutet Insolvenz?

Die Insolvenz bedeutet, dass ein Unternehmen oder eine Privatperson finanziell nicht mehr in der Lage ist, Gläubiger:innen rechtzeitig zu bezahlen. In so einer Situation gibt es für das Unternehmen und die Beteiligten meist zwei Möglichkeiten:

  • Außergerichtliche Restrukturierung: Das Unternehmen und seine Gläubiger:innen versuchen, die finanziellen Probleme ohne Gericht zu lösen.
  • Gerichtliches Bankruptcy-Verfahren in den USA: Das Unternehmen beantragt Schutz und einen geregelten Rahmen nach dem US Bankruptcy Code. Bei Chapter 7 werden die Vermögenswerte verkauft, um Gläubiger:innen zu bezahlen. Bei Chapter 11 darf das Unternehmen weiterarbeiten und versucht gleichzeitig, seine Finanzen zu restrukturieren.

Wichtig ist der Unterschied: Insolvenz beschreibt einen finanziellen ZustandBankruptcy, im Deutschen häufig als Bankrott bezeichnet, ist ein konkretes rechtliches Verfahren, das genutzt werden kann, um mit dieser Situation umzugehen.
 

Welche Kriterien führen zur Insolvenz?

Um festzustellen, ob ein Unternehmen insolvent ist, nutzt man in der Praxis meist zwei Tests.

Der erste ist der Cashflow-Test, auch Equitable Insolvency genannt. Er prüft, ob ein Unternehmen seine laufenden Zahlungsverpflichtungen pünktlich erfüllen kann. Dazu zählen zum Beispiel Rechnungen, Miete, Kreditraten und Gehälter. In der Analyse schaut man sich dafür häufig die Kapitalflussrechnung, den Free Cash Flow und das Nettoumlaufvermögen an. Ist keine ausreichende Liquidität vorhanden und reichen die operativen Mittelzuflüsse nicht aus, gilt das Unternehmen als cashflow-insolvent, selbst wenn es auf dem Papier noch Vermögenswerte besitzt.

Der zweite ist der Bilanztest. Hier wird geprüft, ob die Verbindlichkeiten höher sind als die Vermögenswerte zum fairen Marktwert. Zur Bewertung der Vermögenswerte können Methoden wie die Discounted-Cashflow-Analyse (DCF) herangezogen werden, um den Barwert zukünftiger Zahlungsströme zu bestimmen. Übersteigen die Schulden das Vermögen, ist das Equity Value rechnerisch aufgezehrt und das Unternehmen gilt als bilanziell insolvent, auch wenn kurzfristig noch genug Liquidität vorhanden ist, um Rechnungen zu bezahlen.
 

Wie lässt sich eine Insolvenz vermeiden?

Die gute Nachricht ist: Insolvenz ist oft vermeidbar, wenn Unternehmen finanzielle Probleme frühzeitig erkennen und konsequent angehen. Grundsätzlich geht es dabei um drei Dinge: LiquiditätKapitalstruktur und operative Abläufe zu stabilisieren.

Wie lässt sich eine Insolvenz vermeiden?

Um Cashflow-Insolvenz zu vermeiden, müssen Liquiditätsprobleme rechtzeitig gelöst werden. Dafür ist eine saubere und regelmäßige Cashflow-Planung entscheidend. So lassen sich Engpässe früh erkennen und gegensteuern. Typische Maßnahmen sind zum Beispiel, offene Forderungen schneller einzuziehen oder längere Zahlungsziele mit Gläubiger:innen zu verhandeln.

Eine bilanzielle Insolvenz lässt sich durch ein gutes Management der Kapitalstruktur verhindern. Ziel ist ein gesundes Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenkapital. Unternehmen erreichen das, indem sie Kennzahlen im Blick behalten, zu hohe Verschuldung vermeiden, Finanzierungsquellen streuen und Kreditauflagen aktiv verhandeln.

Am wichtigsten ist jedoch, die eigentlichen Ursachen im Geschäft anzugehen. Je nach Situation kann das bedeuten, Kosten zu senken, verlustreiche Geschäftsbereiche zu beenden, den Businessplan zu überdenken oder das Unternehmen so auszurichten, dass es künftig mehr Cash generiert.
 

Was sind die Konsequenzen einer Insolvenz?

Sobald ein Unternehmen insolvent ist, haben die Entscheidungen von Management und Gläubiger:innen große Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb, den Ruf und die rechtliche Situation. Gläubiger:innen können klagen, Sicherheiten verwerten oder ein Gericht einschalten, um ein Zwangsinsolvenzverfahren einzuleiten. Wird ein formelles Verfahren gestartet, übernehmen häufig ein Insolvenzverwalter:innen oder eine gerichtlich eingesetzte Geschäftsführung die Kontrolle über wichtige finanzielle und strategische Entscheidungen.

Weitere typische Folgen sind:

  • Reputationsschäden: Finanzielle Probleme sprechen sich schnell herum. Das Vertrauen von Kund:innen, Lieferant:innen und Partner:innen leidet darunter.
  • Verlust des Zugangs zu Finanzierung: Lieferant:innen verschärfen Zahlungsbedingungen oder geben kein neues Kreditlimit mehr frei. Dadurch verschlimmern sich Liquiditätsprobleme oft weiter.
  • Liquidation oder Schließung: Wenn es keinen realistischen Weg gibt, das Unternehmen wieder wirtschaftlich stabil aufzustellen, muss der Betrieb eingestellt werden. Vermögenswerte werden verkauft, um Gläubiger:innen nach einer festen Reihenfolge zu bezahlen.

Auch für Gläubiger:innen hat eine Insolvenz Folgen. Sie erhalten ihr Geld oft nicht vollständig zurück, da die Verteilung der Erlöse gesetzlich geregelt ist und besicherte Gläubiger:innen zuerst bedient werden.
 

Typische Interviewfragen rund um die Insolvenz

Fragen dieser Art kommen vor allem in Interviews für Restrukturierungs-Teams im Investment Banking oder Consulting vor. Getestet wird, ob du den Ablauf verstehst und logisch mit finanziellen Krisen umgehen kannst. Hier ein paar typische Beispiele.

1. Kann ein Unternehmen insolvent sein, ohne ein Insolvenzverfahren zu durchlaufen?

Ja. Ein Unternehmen kann insolvent sein, ohne ein formelles Verfahren zu starten. Insolvenz bedeutet, dass Rechnungen oder Schulden nicht pünktlich bezahlt werden können oder dass die Schulden höher sind als das Vermögen.

Ein Bankruptcy Verfahren, oft auch als Bankrottverfahren bezeichnet, ist dagegen ein rechtlicher Schritt, bei dem das Unternehmen offiziell Schutz vor Gläubiger:innen beantragt.

2. Wie prüfst du anhand von Finanzzahlen, ob ein Unternehmen insolvent ist?

Für Cashflow Probleme schaust du dir die Cashflow Rechnung an. Ein negativer operativer Cashflow ist ein Warnsignal. Zusätzlich prüfst du in der Bilanz, ob genügend liquide Mittel vorhanden sind, um kurzfristige Schulden zu bezahlen.

Für eine bilanzielle Insolvenz vergleichst du in der Bilanz, ob die Verbindlichkeiten höher sind als die Vermögenswerte.

3. Was bedeutet Automatic Stay und Debtor in Possession Financing?

Automatic Stay (Chapter 7) ist ein Schutzmechanismus im US Bankrottverfahren. Er stoppt sofort Klagen, Pfändungen und Inkassomaßnahmen von Gläubiger:innen gegen das Unternehmen.

Debtor in Possession Financing (Chapter 11) bezeichnet neue Kredite, die ein Unternehmen während eines laufenden Bankrottverfahrens erhält. Dieses Geld wird genutzt, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Kreditgeber:innen werden dabei meist zuerst zurückbezahlt.
 

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Key Takeaways

Die Insolvenz beschreibt einen finanziellen Zustand, in dem ein Unternehmen seine Schulden nicht mehr bezahlen kann. Das kann passieren, weil zu wenig Geld verfügbar ist, oder weil die Schulden höher sind als das Vermögen.

Unternehmen haben viele Möglichkeiten, eine Insolvenz zu vermeiden, wenn sie früh handeln. Dazu gehören eine gute Cashflow-Planung, ein bewusster Umgang mit Schulden und Eigenkapital sowie das Beheben von Problemen im laufenden Geschäft. Je länger gewartet wird, desto weniger Optionen bleiben.

Kommt es trotzdem zur Insolvenz, verliert das Unternehmen einen großen Teil der finanziellen Kontrolle, der Ruf leidet und im schlimmsten Fall wird der Betrieb eingestellt und Vermögenswerte werden verkauft.

 

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Ein Dividend Recap (auf Deutsch oft als dividendenfinanzierte Ausschüttung bezeichnet) ist eine Methode, mit der Private-Equity-Investor:innen Geld aus einem Unternehmen ziehen, ohne es direkt zu verkaufen. Statt auf einen späteren Verkauf oder Börsengang zu warten, nimmt das Unternehmen einen Kredit auf und zahlt dieses Geld an seine Eigentümer:innen aus.Das Unternehmen bleibt im Besitz der Investor:innen, hat danach aber mehr Schulden. Weil genau geprüft werden muss, ob das Unternehmen diese tragen kann, gehören Dividend Recaps zu den typischen Private-Equity-Deals, bei denen Investmentbanken beraten. Was ist ein Dividend Recap?Ein Dividend Recap beschreibt eine Situation, in der ein Unternehmen neue Schulden aufnimmt, nur um seinen Eigentümer:innen eine hohe einmalige Geldausschüttung zu zahlen. Dieses Fremdkapital kann aus Bankkrediten, Anleihen oder einer Mischung aus beidem bestehen.Meist wird so ein Schritt von Private-Equity-Firmen gemacht, die ein Unternehmen kontrollieren. Ihr Ziel ist es, sich frühzeitig einen Teil oder sogar ihr gesamtes eingesetztes Kapital zurückzuholen, noch bevor das Unternehmen später verkauft wird. Man kann sich das als einen Teil-Exit vorstellen. Das Unternehmen gehört ihnen danach weiterhin.Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht sehr eigennützig. Dahinter steckt aber oft ein klarer Grund. Die Investor:innen hinter Private-Equity-Fonds, zum Beispiel Pensionsfonds, Stiftungen oder Versicherungen, sind auf regelmäßige Cashflows angewiesen. Gerade Pensionsfonds brauchen laufend Geld, um zugesagte Rentenzahlungen leisten zu können. Für sie ist eine frühe Auszahlung daher extrem wichtig. Wie funktioniert ein Dividend Recap?Vereinfacht gesagt läuft ein Dividend Recap in zwei Schritten ab. Zuerst nimmt das Unternehmen auf Wunsch seiner Eigentümer:innen neue Schulden auf, zum Beispiel in Form von Krediten oder höher verzinsten Anleihen. Das frische Geld wird anschließend genutzt, um eine einmalige Geldausschüttung an die Eigentümer:innen auszuzahlen.In der Praxis steckt dahinter aber deutlich mehr Arbeit. Die Private-Equity-Firma und ihre Berater:innen prüfen zuerst sehr genau, ob das Unternehmen dafür überhaupt geeignet ist. Sie schauen, wie viele neue Schulden das Unternehmen realistisch tragen kann und ob es seine Rechnungen auch nach der Auszahlung noch zuverlässig bezahlen kann. 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Das reduziert das Verlustrisiko.Volle Kontrolle bleibt erhalten: Die Eigentümer:innen bekommen Geld ausgezahlt und behalten trotzdem die volle Kontrolle über das Unternehmen.Mehr finanzielle Disziplin im Unternehmen: Höhere Schulden zwingen das Management, effizienter zu arbeiten, Kosten zu kontrollieren und den Cashflow im Blick zu behalten.Nachteile eines Dividend RecapsHöherer Schuldenstand: Das Unternehmen wird anfälliger für Krisen, Fehler im operativen Geschäft oder steigende Zinsen.Belasteter Cashflow: Zinszahlungen reduzieren das Geld, das für Investitionen oder Wachstum zur Verfügung steht.Schlechtere Kreditwürdigkeit: Ratingagenturen können das Unternehmen herabstufen, was zukünftige Finanzierungen verteuert.Rechtliches Risiko: Wird das Unternehmen kurz nach dem Dividend Recap zahlungsunfähig, können Gläubiger:innen verlangen, dass die ausgezahlten Beträge zurückgezahlt werden. Dividend Recaps in der PraxisIn der Realität passiert ein Dividend Recap meist mitten in der Haltedauer, oft etwa im Jahr 3 bis 5 nach einem Leveraged Buyout (LBO). Bis dahin hatte das Unternehmen Zeit, einen Teil der ursprünglichen Schulden zurückzuzahlen, profitabler zu werden oder stabilere Cashflows aufzubauen. Genau das schafft Spielraum für neue Schulden.Ob ein Dividend Recap möglich ist, hängt stark vom Kreditmarkt ab. Besonders häufig finden sie in Phasen mit niedrigen Zinsen und lockeren Kreditbedingungen statt, wenn Banken und Investor:innen bereit sind, viel Geld zu verleihen.Oft ist ein Dividend Recap auch eine Art Plan B. Wenn Verkaufsangebote zu niedrig ausfallen oder die Märkte schlecht sind, können Private-Equity-Firmen ihren Investor:innen trotzdem schon Geld auszahlen und noch ein oder zwei Jahre auf einen besseren Verkaufszeitpunkt warten.Ein Dividend Recap Beispiel aus der PraxisEin bekanntes Beispiel ist Clarios International Inc.. Das Unternehmen führte Anfang 2025 einen Dividend Recap über rund 4,5 Milliarden US Dollar durch. 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