Wenn du dich auf ein Problem-Solving-Interview bei Revolut vorbereitest, ist dir wahrscheinlich schon aufgefallen, dass die meisten verfügbaren Materialien entweder zu allgemein, zu stark an klassischen Consulting-Interviews orientiert oder einfach zu oberflächlich sind. Dieser Artikel ist anders. Er erklärt genau, was im Interview getestet wird, wie du an die einzelnen Bestandteile herangehst und was Kandidaten, die bestehen, von denen unterscheidet, die scheitern.
Revoluts Problem-Solving-Interview: Was wirklich getestet wird
Was ist das Problem-Solving-Interview?
Das PS-Interview bei Revolut ist eine 30–40-minütige Live-Case-Study. Du bekommst ein reales oder realitätsnahes Business-Problem und sollst es gemeinsam mit deinem Interviewer bearbeiten: Problem strukturieren, Daten analysieren, rechnen, Lösungen entwickeln sowie Umsetzung und Erfolgsmessung definieren.
Es gibt dabei keine einzig richtige Antwort. Revolut bewertet vor allem, wie du denkst: ob du einer unklaren Situation Struktur geben kannst, auf Basis von Daten priorisierst, handlungsorientiert denkst und auch unter Druck klar kommunizierst.
Das Format ist kandidatengesteuert. Anders als in manchen Consulting-Interviews führt dich der Interviewer nicht Schritt für Schritt durch den Case. Von dir wird erwartet, dass du das Gespräch aktiv steuerst, selbst die benötigten Daten einforderst und den Case eigenständig voranbringst.
Die vier Bestandteile des Interviews
1. Den Case eröffnen
Verständnisfragen stellen
Das ist einer der größten Unterschiede zur klassischen Consulting-Vorbereitung.
Die Aufgabenstellungen bei Revolut sind meist sehr kurz formuliert und enthalten nicht genug Informationen, um das Problem sofort vollständig zu verstehen. Hier ist ein echtes Beispiel zu einem Prompt-Vergleich von McKinsey und Revolut.

Deshalb stellen starke Kandidaten zuerst gezielte Verständnisfragen, bevor sie anfangen, das Problem zu lösen.
Diese Fragen haben einen klaren Zweck: Sie helfen dabei zu verstehen, worin das eigentliche Problem besteht, wie Erfolg definiert wird und worauf sich die Analyse konzentrieren sollte. Ohne diese Fragen riskierst du, eine perfekte Struktur für das falsche Problem aufzubauen.
Vier Bereiche solltest du in jedem Case abdecken:
- Kontext → Wie sieht die Gesamtsituation aus? Was macht das Unternehmen und warum ist das Problem gerade jetzt relevant?
- Leistungstreiber → Welche Kennzahlen definieren das Problem? Wie haben sie sich verändert, über welchen Zeitraum und in welchen Segmenten?
- Zieldefinition → Wie sieht ein erfolgreiches Ergebnis aus? Gibt es konkrete Ziele, Zeiträume oder KPIs? Wie sieht der aktuelle Ausgangswert aus?
- Einschränkungen → Welche Grenzen gibt es? Budget, Zeitrahmen, regulatorische Vorgaben, interne Richtlinien oder andere Faktoren, die bereits ausgeschlossen wurden?
Die Informationen, die du hier sammelst, dienen nicht nur zur Orientierung. Sie beeinflussen direkt deine spätere Struktur und helfen dir zu entscheiden, welche Bereiche du vertieft analysieren solltest und welche weniger relevant sind.
2. Strukturierung
Struktur ist das, was aus einer unklaren Frage ein lösbares Problem macht. Ziel ist es, einen sogenannten Issue Tree aufzubauen, also das Problem in klar voneinander getrennte, aber zusammen vollständige Bestandteile zu zerlegen (MECE-Prinzip).
Man kann sich das wie eine ärztliche Diagnose vorstellen. Wenn jemand unerklärlich zunimmt, rät ein guter Arzt nicht einfach ins Blaue hinein, sondern zerlegt das Problem logisch in mögliche Ursachen.

Jeder Ast des Baums steht für eine unabhängige Erklärung. Gemeinsam decken sie alle möglichen Ursachen ab. Anschließend priorisiert man die wahrscheinlichsten Bereiche, basierend auf den Informationen aus den Verständnisfragen und analysiert diese zuerst genauer.
Nachdem du die Struktur definiert hast, ergänzt du sie um Hypothesen: mögliche Ursachen des Problems. Diese Hypothesen müssen überprüfbar sein. Deshalb forderst du gezielt Daten an, um sie entweder zu bestätigen oder auszuschließen.

Die drei Arten von Issue Trees
Logikbasierte Strukturen: Werden genutzt, wenn es um Ursache-Wirkungszusammenhänge geht. Jeder Pfad stellt eine mögliche Option dar.
Beispiel: Warum steigt die Churn-Rate? Entweder entscheiden sich Nutzer aktiv zu gehen oder sie werden unfreiwillig ausgeschlossen.
Quantitative Strukturen: Werden genutzt, wenn sich das Problem mathematisch darstellen lässt.
Beispiel: Gewinn = Umsatz - Kosten
Sinkt der Gewinn, muss die Ursache entweder beim Umsatz oder bei den Kosten liegen.
Prozess- oder Funnel-Strukturen: Werden genutzt, wenn das Problem innerhalb eines Ablaufs entsteht, häufig in Operations- oder Produkt-Cases.
Beispiel: Wenn die Conversion Rate niedrig ist, kann das Problem in bestimmten Schritten des Funnels liegen. Die Daten zeigen dann, an welcher Stelle Nutzer abspringen.
Priorisierung ist entscheidend, damit du den Case effizient innerhalb der Zeit lösen kannst.
Ein häufiger Fehler ist es, jeden Ast des Baums gleich tief zu analysieren, unabhängig davon, was die Daten sagen. Das wirkt unreflektiert. Gute Kandidaten priorisieren gezielt die Bereiche, die laut Verständnisfragen am wahrscheinlichsten das Kernproblem enthalten, und erklären ihre Entscheidung klar.
3. Interview-Mathe
Mathe im PS-Interview hat wenig mit Kopfrechnen zu tun. Du darfst normalerweise einen Taschenrechner nutzen, manchmal sogar Excel (frag deinen Interviewer sicherheitshalber danach).
Entscheidend ist nicht schnelles Rechnen, sondern: zu erkennen, wann eine Berechnung notwendig ist, sie sauber aufzubauen, und das Ergebnis sinnvoll für Entscheidungen zu nutzen.
Mathe-Aufgaben kommen meist dann, wenn bereits eine mögliche Ursache oder Lösung identifiziert wurde. Die eigentliche Frage dahinter lautet fast immer: Wie relevant ist dieses Problem? Oder: Lohnt es sich überhaupt, das zu lösen?
Ein bewährter 5-Schritte-Ansatz
- Definiere genau, was berechnet werden soll -> Bevor du Zahlen nutzt, muss die Fragestellung klar sein.
- Erkläre die Rechenlogik -> Beschreibe zuerst die Struktur deiner Berechnung, z. B. Formel, Funnel oder Tabelle.
- Fordere die benötigten Daten an ->Frage gezielt nach den Zahlen, die du Schritt für Schritt brauchst.
- Organisieren und rechnen -> Wiederhole die Daten kurz zur Bestätigung und rechne strukturiert. Viele Kandidaten rechnen lieber kurz still für sich, um kleine Fehler vorher korrigieren zu können.
- Ergebnis interpretieren -> Genau hier verlieren die meisten Kandidaten Punkte.
Eine Zahl allein ist noch keine Erkenntnis. Du musst erklären: Was bedeutet dieses Ergebnis für das Ziel? Ist der Effekt groß genug, um Maßnahmen zu rechtfertigen?Wie geht es jetzt weiter?
4. Lösungen entwickeln
Sobald die Hauptursache identifiziert und quantifiziert wurde, geht der Case in die Lösungsphase über. Viele Kandidaten beginnen hier mit unstrukturiertem Brainstorming und nennen einfach alles, was ihnen einfällt. Das führt oft zu generischen Ideen, die weder priorisierbar noch wirklich relevant sind.
Starke Kandidaten strukturieren ihre Ideen zuerst, zum Beispiel nach Themenbereichen oder mithilfe klarer Frameworks.
Unabhängig von der Struktur sind zwei zusätzliche Schritte besonders wichtig:
Priorisierung und Validierung: Nicht jede Idee ist gleich wertvoll. Gute Kandidaten priorisieren ihre Vorschläge anhand von: erwartetem Impact, Umsetzbarkeit, und den Einschränkungen aus den Verständnisfragen.
Außerdem validieren sie ihre Ideen mit dem Interviewer und sprechen potenzielle Risiken oder Hindernisse aktiv an.
Umsetzung: Dieser Teil ist Revolut besonders wichtig. Das Unternehmen möchte sehen, ob du Ideen tatsächlich in die Praxis umsetzen kannst. Deshalb gehen starke Kandidaten über das reine „Was sollten wir tun?“ hinaus und erklären auch: Wer wäre verantwortlich? Wie sähe der konkrete Umsetzungsplan aus? Welcher Zeitrahmen ist realistisch?
Beispiel: Wenn eine priorisierte Lösung zur Verbesserung der Conversion Rate darin besteht, ein Produkt-Widget prominenter auf der Startseite zu platzieren, könntest du sagen:
„Da wir grünes Licht für diese Initiative haben, würde ich einen zweiwöchigen A/B-Test mit ausreichend großer Stichprobe empfehlen: Eine Hälfte der Nutzer sieht das Widget auf der Startseite, die andere an der bisherigen Position. "Wenn sich die CTR statistisch signifikant verbessert, hätten wir genügend Evidenz für einen vollständigen Rollout.“
KPIs definieren: Für jede priorisierte Lösung solltest du mindestens einen zentralen KPI festlegen. Das zeigt, dass du nicht nur an die kurzfristige Lösung denkst, sondern auch an nachhaltigen Erfolg.
Was gute von herausragenden Kandidaten unterscheidet
Nach der Vorbereitung vieler Kandidaten zeigen sich immer wieder dieselben Fehler:
- Keine Priorisierung: Viele analysieren jeden Bereich gleich intensiv, unabhängig von den Daten. Gute Kandidaten erkennen früh, wo das Problem wahrscheinlich liegt, und fokussieren sich gezielt darauf.
- Sie bleiben beim Symptom stehen: Beispiel: „Der Umsatz pro Transaktion ist gesunken.“
Das beschreibt nur das Symptom, nicht die Ursache. Top-Kandidaten fragen so lange „Warum?“, bis sie bei einer konkreten, lösbaren Ursache angekommen sind. - Zahlen ohne Interpretation: Viele Kandidaten nennen einfach das Ergebnis ihrer Berechnung und warten. Interviewer wollen aber keine Zahl hören: Sie wollen eine Entscheidung sehen. Was bedeutet das Ergebnis? Ist es relevant genug? Was wäre der nächste Schritt?
- Kein Fokus auf Umsetzung: Viele hören nach der Ideensammlung auf. Starke Kandidaten erklären zusätzlich, wie sie die Lösung implementieren und überwachen würden.
Wie du dich vorbereitest
Das PS-Interview ist definitiv lernbar. Die Frameworks selbst sind nicht kompliziert. Die Herausforderung besteht darin, sie unter Druck, mit echten Daten und in einem Kandidaten-gesteuerten Format sauber anzuwenden.
Die meisten Bewerber stehen dabei jedoch vor denselben Problemen: wenig Vorbereitungszeit, kaum rollenspezifisches Material und Unsicherheit darüber, was Interviewer tatsächlich erwarten.
Wenn du eine strukturierte und effiziente Vorbereitung speziell für Revoluts PS-Prozess suchst, inklusive Verständnisfragen, typischer Issue Trees, Mathe-Aufgaben und Lösungsentwicklung mit Praxisübungen, findest du hier den vollständigen Kurs:
👉 Revolut Problem-Solving Interview – Complete Preparation Course
Falls du lieber individuelles Feedback möchtest, werden auch 1:1-Coaching-Sessions angeboten, angepasst an dein Profil, deine Zielrolle und deinen aktuellen Stand.
Geschrieben von Mariana, ehemalige Beraterin bei McKinsey & Company und Senior Product Ops Managerin bei Nubank.
#1 Revolut PS Interview Coach auf PrepLounge, mit einer Problemlösungs bestehenden Quote von 4 Mal höher als der UK Maßstab.
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