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So startest du deinen LinkedIn Outreach im Finance-Bereich

Key Takeaways

  • LinkedIn Outreach ist eine wertvolle Networking-Strategie im Finance-Bereich. Der Aufbau echter Beziehungen zu Professionals aus der Branche kann dir wertvolle Einblicke geben, dein Netzwerk erweitern und deine Sichtbarkeit während des Recruiting-Prozesses erhöhen.
  • Erfolgreicher Outreach erfordert Vorbereitung und Personalisierung. Die Recherche über deine Kontakte, die Optimierung deines LinkedIn-Profils und individuell angepasste Nachrichten können deine Chancen auf eine Rückmeldung deutlich verbessern.
  • Networking ist ein langfristiger Prozess und keine einmalige Interaktion. Regelmäßige Follow-ups und die kontinuierliche Pflege professioneller Beziehungen helfen dabei, erste Gespräche in langfristige Kontakte zu verwandeln.

Wenn du deinen Traumjob im Finance-Bereich bekommen möchtest, sollte professionelles Networking ein wichtiger Bestandteil deiner Bewerbungsstrategie sein. Das erfordert viel Arbeit. Doch in einer Branche voller hochqualifizierter Talente mit nahezu identischen Lebensläufen, ähnlichen GPAs oder Noten und vergleichbaren prestigeträchtigen Praktika ist Networking eine der bewährtesten Möglichkeiten, um aus der Masse herauszustechen.

Eine der effektivsten Networking-Strategien im Finance-Bereich ist LinkedIn Outreach. Dadurch kannst du Alumni und Professionals finden und mit ihnen in Kontakt treten, denen du sonst wahrscheinlich nie begegnen würdest, besonders dann, wenn du nicht von einer Target School kommst, an der regelmäßige Networking-Veranstaltungen auf dem Campus üblich sind. Sobald du relevante Kontakte aufgebaut hast, kannst du den sogenannten Hidden Job Market entdecken, also Stellen, die nie öffentlich ausgeschrieben werden oder über interne Referrals Vorstellungsgespräche erhalten. Dabei empfiehlt ein/e Mitarbeiter:in deine Bewerbung direkt an die HR-Abteilung oder das zuständige Recruiting-Team weiter.

Was ist LinkedIn Outreach im Finance-Bereich?

LinkedIn Outreach im Finance-Bereich beschreibt den Prozess, LinkedIn zu nutzen, um Professionals zu finden, zu recherchieren und Beziehungen zu ihnen aufzubauen, die bereits in der Branche oder bei deinen Zielunternehmen arbeiten. Das Ziel ist es, wertvolle Kontakte zu knüpfen, Einblicke in die Branche zu erhalten, ein kurzes Informational Interview zu führen und letztendlich eine Empfehlung (Referral) zu bekommen oder deine Chancen auf ein Vorstellungsgespräch zu erhöhen.

Es ist einer der wichtigsten Networking-Kanäle für Kandidat:innen, die in den Finance-Bereich einsteigen möchten, neben Cold E-Mails, Networking-Events, Branchenkonferenzen und seltener auch Cold Calling. Die meisten Menschen nutzen LinkedIn zunächst, um passende Personen zu finden, genug über deren Hintergrund herauszufinden, um eine wirklich relevante Nachricht schreiben zu können, und anschließend eine personalisierte Kontaktanfrage zu senden. Danach wechseln viele zu Cold E-Mails, um eine Antwort zu erhalten, was sehr empfehlenswert ist. Andere führen die gesamte Kommunikation direkt über LinkedIn Messages.

Empfohlener Zeitplan für LinkedIn Outreach

Neben dem Verständnis dafür, was LinkedIn Outreach überhaupt ist, ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt und das passende Tempo zu beherrschen. Für Finance-Bereiche und Unternehmen mit einem festen Recruiting-Zeitplan oder einer vorhersehbaren jährlichen Einstellungsphase, wie beispielsweise Investment Banking, solltest du deinen Outreach 6 bis 12 Monate vor Öffnung der Bewerbungen starten. Bei Unternehmen, die kontinuierlich einstellen und neue Rollen besetzen, sobald sie entstehen, wie kleinere Private-Equity-Firmen, Venture-Capital-Firmen oder Middle-Market Funds, solltest du beginnen, sobald du deine Zielunternehmen identifiziert hast.

Du kannst mit einer ersten Zielgruppe von mindestens 20 bis 30 Professionals starten und deinen Outreach auf etwa 5 bis 10 neue Nachrichten pro Woche verteilen. Das berücksichtigt die niedrigen Antwortquoten bei Cold Messaging und gibt dir gleichzeitig genug Zeit, jede Person gründlich zu recherchieren und deine Follow-ups im Blick zu behalten.

Sobald jemand antwortet und ihr ein oder zwei Nachrichten auf LinkedIn ausgetauscht habt, ist normalerweise der richtige Zeitpunkt, um nach einem kurzen 15- bis 20-minütigen Call oder Coffee Chat zu fragen. Eine solche Anfrage direkt nach einer erfolgreichen LinkedIn-Verbindung per E-Mail zu stellen, funktioniert ebenfalls. Wenn du keine Antwort bekommst, solltest du nach 5 bis 10 Tagen höflich nachfassen. Insgesamt sind zwei bis vier Follow-ups sinnvoll, bevor du weiterziehst.

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Für welche Finance-Bereiche ist LinkedIn Outreach sinnvoll?

Auch wenn LinkedIn Networking funktioniert, unterscheidet sich die Effektivität je nach Finance-Bereich, auf den du abzielst. Generell gilt: Je stärker ein Unternehmen beim Recruiting auf Headhunter (externe Recruiter, die Unternehmen dafür bezahlen, Kandidat:innen zu finden und vorzusortieren) und Gatekeeper (Personen, die den Zugang zu den eigentlichen Entscheidungsträgern im Bewerbungsprozess kontrollieren) setzt, desto weniger effektiv wird Cold Messaging. Außerdem gilt: Je informeller die Unternehmenskultur eines Unternehmens ist, desto stärker wird Outreach erwartet. Viele Unternehmen und Finance-Bereiche kombinieren jedoch beides: Recruiting über persönliche Beziehungen und Recruiting über Headhunter.

Zu den bekanntesten Finance-Bereichen, die stark von Networking profitieren, gehören: Investment Banking, kleinere bis mittelgroße Private-Equity-Firmen oder Off-Cycle PE Recruiting, Asset Management, Venture Capital (VC). Auf der anderen Seite laufen On-Cycle PE Recruiting, große Mega-Fund-PE-Firmen, große Hedge Funds und große Private-Credit-Firmen häufiger über Headhunter, dadurch gibt es weniger Möglichkeiten für Cold Outreach. On-Cycle Recruiting bezeichnet den stark strukturierten jährlichen Prozess großer Unternehmen, bei dem Kandidat:innen häufig bereits 1 bis 2 Jahre im Voraus eingestellt werden. Off-Cycle Recruiting beschreibt dagegen laufende oder ganzjährige Einstellungen, wenn konkrete Stellen frei werden.

Investment Banking

Networking im Investment Banking beziehungsweise direkter, informeller Outreach ist üblich und wird teilweise sogar erwartet, insbesondere, wenn du von keiner Target School kommst oder einen Karrierewechsel machst. Die meisten IB-Kandidat:innen führen vor dem Abschicken ihrer Bewerbung sogenannte Coffee Chats, auch Informational Interviews genannt.

Banker:innen geben nach diesen Gesprächen häufig Feedback oder bewerten Kandidat:innen. Diese Informationen fließen oft in eine interne Datenbank mit sogenannten Warm Referrals ein. Wenn ein/e Banker:in dich überzeugt findet, kann es passieren, dass er/sie dich bittet, deinen CV direkt kurz vor Bewerbungsschluss per E-Mail zu schicken. Alternativ kann er/sie dir Hinweise geben, wie deine Bewerbung im System gefunden werden kann, oder deinen Lebenslauf direkt an die Person weiterleiten, die das Recruiting für dieses Jahr koordiniert, inklusive persönlichem Feedback.

Private Equity

Im Bereich Private Equity ist Networking und LinkedIn Outreach besonders effektiv beim Off-Cycle Recruiting. Das betrifft häufig Middle-Market und Lower-Middle-Market Firms, die weniger stark auf Gatekeeper angewiesen sind. Stattdessen ist direktes Networking eine der effektivsten Möglichkeiten, um in diese Unternehmen hineinzukommen.

Beim On-Cycle Recruiting, also dem Prozess, bei dem größere Funds Investment Banking Analysts mehr als ein Jahr vor ihrem tatsächlichen Start einstellen, ist Networking mit PE Professionals dagegen nicht immer genauso effektiv, außer es besteht bereits eine persönliche Beziehung. Der Grund: Dieser Prozess wird häufig von Private Equity Headhuntern gesteuert, die für jede erfolgreiche Vermittlung eine Provision erhalten. Deine Aufgabe besteht hier vor allem darin, sicherzustellen, dass dein LinkedIn-Profil aktuell und korrekt ist, damit Headhunter dich finden und deine Informationen überprüfen können.

Venture Capital

Cold LinkedIn Outreach und direkter Kontakt zu Partner:innen sind bei Venture-Capital-Firmen mit Startup-Hintergrund üblich. Diese Unternehmen haben häufig kleinere Teams und eine informellere Kultur. Allerdings funktioniert diese Art von Outreach am besten in Kombination mit sichtbarer Aktivität in anderen Bereichen, beispielsweise durch VC Clubs, Wettbewerbe oder Konferenzen und weniger als alleinige Strategie. 

Bei Firmen, die aus traditionellem Private Equity entstanden sind, kann VC Networking dagegen manchmal weniger effektiv sein. Cold Outreach an VC-Partner:innen ohne vorherige Recherche kann schnell nach hinten losgehen.

Hedge Funds

Cold LinkedIn Outreach kann bei den größten Hedge Funds schwierig sein, da deren Recruiting-Prozess stark strukturiert ist und häufig durch spezialisierte Recruiting-Agenturen begleitet wird.

Networking im Hedge-Fund-Bereich funktioniert daher am besten bei kleineren und mittelgroßen Funds. Diese stellen häufig bei Bedarf ein, beispielsweise wenn ein Analyst das Unternehmen verlässt oder wenn neues Kapital aufgenommen wurde. Dadurch sind direkte Kontakte und LinkedIn Outreach besonders wertvoll, weil solche Stellen nur selten auf Jobplattformen veröffentlicht werden.

Private Credit

Große Mega-Funds verfügen über formale Undergraduate Internship- und Analyst-Programme, die über Online-Portale und Resume Screening laufen. Da diese Programme jedoch klein sind, erhalten sie oft Tausende Bewerbungen. Cold Outreach an aktuelle Analysts und Associates kann deshalb helfen, deinen Lebenslauf aus der allgemeinen Bewerbungsmasse herauszuholen.

Middle-Market Private Credit Firms stellen dagegen häufig nach Bedarf ein. Offene Positionen werden bei diesen Unternehmen selten auf klassischen Jobplattformen veröffentlicht. Deshalb gehören direkte LinkedIn- und E-Mail-Outreach-Strategien zu den effektivsten Möglichkeiten, diese Stellen zu entdecken, bevor das Unternehmen einen Headhunter einschaltet.

Asset Management

Beim Recruiting im Asset Management werden viele Vollzeitstellen über die vorherige Internship-Klasse besetzt. Deshalb ist es oft wichtiger, früh auf dem Radar eines Unternehmens zu sein, als eine einzelne perfekte Nachricht zu schreiben. Networking ist besonders bei großen Unternehmen hilfreich, da diese eine sehr hohe Anzahl an Bewerbungen erhalten. Wenn ein interner Mitarbeiter/eine interne Mitarbeiterin deinen Lebenslauf weiterleitet, kann das deine Chancen erhöhen, automatisierte Resume-Filter zu umgehen und eine persönliche Prüfung oder direkt ein Vorstellungsgespräch zu erhalten.

Boutiquen und regionale Investment Manager verlassen sich dagegen häufig stärker auf den Hidden Job Market. Networking ist dort eine der besten Möglichkeiten, von offenen Positionen zu erfahren. Diese Unternehmen schätzen besonders warme Alumni-Kontakte und interne Empfehlungen.

Corporate Finance und FP&A

LinkedIn Outreach ist für Vorstellungsgespräche im Bereich Corporate Finance und FP&A normalerweise nicht notwendig, kann dir aber einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Recruiting läuft hier meistens über stark strukturierte Prozesse, die durch die Unternehmens-HR-Abteilung gesteuert werden. Die meisten Einstiegspositionen im Corporate Finance werden über öffentliche Jobplattformen und klassische Campus-Recruiting-Prozesse besetzt.

 

Wen solltest du kontaktieren?

Wenn du bereit bist, deinen LinkedIn Outreach zu starten, solltest du die sogenannte Bottom-up Networking Strategy nutzen. Diese umfasst:

Wen sollte man kontaktieren?
  • Alumni-Netzwerk: Der beste Ausgangspunkt sind Alumni deiner Hochschule. Eine gemeinsame Hochschule gibt dir einen direkten und glaubwürdigen Grund, jemanden anzuschreiben. Die meisten Alumni helfen tatsächlich gerne anderen Studierenden oder Absolvent:innen ihrer Alma Mater.
  • Second-Degree Connections: Dabei handelt es sich um sogenannte warme Kontakte (Warm Intros). Dazu gehören beispielsweise: Freunde von Freunden, Kontakte von Professoren, Familienkontakte. Eine warme Einführung ist fast immer effektiver als ein Cold Outreach.
  • Kontakte mit gemeinsamem Hintergrund: Suche nach Personen, mit denen du Gemeinsamkeiten hast, beispielsweise: gleiche Heimatstadt, gleicher Sport, gleiche Non-Target School, ähnliche Karrierewechsel, gleiche Studentenorganisation, früherer Arbeitgeber.  Alles, was du mit jemandem gemeinsam hast, schafft einen echten Anknüpfungspunkt.
  • Junior- bis Mid-Level-Banker:innen: Beim Networking für Investment Banking Recruiting antworten Analysts und Associates häufiger als Senior-Banker:innen oder Managing Directors. Sie können außerdem eine Verbindung zu Senior-Kontakten herstellen, sobald du eine gute Beziehung aufgebaut hast.
  • Headhunter und Recruiter: Das ist besonders hilfreich beim PE On-Cycle Recruiting, da Headhunter dort häufig die eigentlichen Gatekeeper sind. Eine LinkedIn-Verbindung mit einem Headhunter lohnt sich auch dann, wenn du noch nicht aktiv auf Jobsuche bist. Behandle jede Interaktion mit ihnen wie ein erstes Vorstellungsgespräch.

 

Vorbereitung vor dem Versenden einer Nachricht

Sobald du weißt, welche Personen du kontaktieren möchtest, kannst du deine erste Ziel-Liste mit Banker:innen oder relevanten Professionals erstellen. Sie sollte mindestens 20 bis 30 Namen enthalten. Je mehr, desto besser, denn die Antwortquoten bei Cold Outreach sind generell niedrig. Bevor du jedoch jemanden kontaktierst, solltest du einige Dinge vorbereiten, um deine Erfolgschancen zu erhöhen.

Optimiere dein LinkedIn-Profil

Dein LinkedIn-Profil für Investment Banking oder jeden anderen Finance-Weg ist das Erste, was sich die Personen anschauen werden, denen du schreibst. Aktualisiere dein Profil mit einem professionellen Foto und halte deinen About-Bereich kurz. Gute Beispiele für LinkedIn-About-Texte im Finance-Bereich umfassen zwei oder drei Sätze – nicht einfach einen kopierten Lebenslauf. Erkläre, wer du bist, was du studierst und wofür du dich interessierst.

Schreibe außerdem eine LinkedIn-Headline für Finance, die dein Ziel beschreibt und nicht nur deine Hochschule nennt. Zum Beispiel: „Finance Student Seeking Investment Banking Analyst Roles“ oder „Finance & Economics Student at [University] | Investment Banking | Seeking Summer 2027 Analyst Role“.

Danach solltest du dein LinkedIn-Profil exakt mit deinem Lebenslauf abgleichen. Daten, Positionen und Unternehmensnamen sollten vollständig übereinstimmen.

Recherchiere deine Ziel-Liste

Der Aufbau deiner Ziel-Liste beginnt mit dem Alumni-Filter von LinkedIn. Finde Personen von deiner Hochschule, die bei deinen Zielunternehmen arbeiten, und recherchiere jede Person individuell. Schau dir an welchen Karriereweg sie gegangen sind, ob sie zu einem anderen Unternehmen gewechselt haben (lateraled), in welcher Gruppe sie arbeiten, an welchen Deals oder Projekten sie zuletzt beteiligt waren.

Das Ziel ist, mindestens ein echtes, konkretes Detail zu finden, auf das du dich in deiner Nachricht beziehen kannst. Vermeide Aussagen, die unsensibel wirken könnten, beispielsweise Kommentare zu aktuellen Entlassungen, schwierigen Deals oder ähnlichen Themen.

Erstelle eine Networking-Tracker-Tabelle

Erstelle eine einfache Tabelle für dein Networking-Tracking. Sie sollte folgende Informationen enthalten: Name, Unternehmen, Position, Datum der Nachricht, Kommunikationskanal, Antwort, Datum für Follow-up. Das hilft dir dabei, den Überblick zu behalten, wem du wann und mit welchem Inhalt nachfassen solltest, besonders sobald du mehrere Gespräche gleichzeitig führst.

Entscheide dich für deinen Kommunikationskanal

Generell ist es sinnvoll, LinkedIn zu nutzen, um Personen zu finden, zu recherchieren und eine Kontaktanfrage zu senden. Die eigentliche Anfrage solltest du anschließend jedoch häufig per E-Mail stellen. Banker:innen prüfen ihre E-Mails deutlich zuverlässiger, und eine E-Mail wirkt bei Senior Professionals in dieser Branche häufig professioneller.

Bereite deine Story vor

Bereite deine persönliche Geschichte vor, bevor du Nachrichten verschickst. Kurze, präzise Antworten von ein bis zwei Minuten auf typische Fragen wie: „Warum Finance?“, „Warum dieses Unternehmen?“, „Warum diese Gruppe?“ sind entscheidend, besonders, falls du schneller als erwartet eine Antwort bekommst.

 

Wie du eine starke LinkedIn Outreach Nachricht schreibst

Wenn dein Profil optimiert und deine Ziel-Liste erstellt ist, kannst du mit dem Outreach beginnen. Eine LinkedIn-Kontaktanfrage ist auf 300 Zeichen begrenzt. Diese Begrenzung zwingt dich dazu, konkret zu werden, anstatt eine lange Bewerbung oder einen allgemeinen Pitch zu schreiben. Versuche, die Nachricht möglichst persönlich zu gestalten, um deine Chancen auf eine Antwort zu erhöhen. Das bedeutet einen konkreten und echten Grund nennen, warum du dich verbinden möchtest und die eigentlichen Details für die spätere Kommunikation aufheben.

Wenn du einen Premium-Account hast, kannst du zwischen InMail und einer normalen Kontaktanfrage wählen. Nutze deine InMail-Credits jedoch sparsam, da sie dir ermöglichen, Personen direkt in ihrem Hauptpostfach zu kontaktieren, obwohl ihr nicht verbunden seid.

LinkedIn Cold Message Template

Die folgende Struktur eignet sich sowohl als Vorlage für eine LinkedIn Cold Message als auch für eine Cold E-Mail im Investment Banking und anderen Finance-Bereichen:

  1. Wer du bist und ein konkreter Grund, warum du diese Person kontaktierst
     (zum Beispiel gemeinsame Hochschule, gemeinsamer Hintergrund oder ein bestimmter Teil ihres Karrierewegs)
  2. Eine kurze Aussage zu deinem eigenen Interesse oder deiner Erfahrung
  3. Eine kleine, unverbindliche Anfrage
     – normalerweise 15 bis 20 Minuten ihrer Zeit
  4. Eine kurze, professionelle Verabschiedung

Hier ist ein Beispiel für eine personalisierte Outreach-Nachricht:

„Hi [Name], ich bin aktuell an der [Universität/Hochschule] und studiere Finance im [Zahl.] Semester. Ich habe gesehen, dass du ebenfalls in [Club] bist und jetzt bei [Bank] in der [Gruppe] arbeitest. Ich interessiere mich sehr dafür, mehr über die M&A-Gruppe im Investment Banking zu erfahren, und würde mich freuen, mich mit dir zu vernetzen.“

Wenn du statt LinkedIn eine E-Mail verschickst, sollte auch die Betreffzeile deiner Finance-Networking-E-Mail genauso spezifisch sein. Etwas wie: „[Universitäts]-Student:in interessiert sich für [Gruppe]“ funktioniert besser als ein allgemeines: „Kurze Frage“.

 

Wie du aus Outreach einen Coffee Chat machst

Eine erste Antwort zu bekommen, ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wie verwandelst du eine LinkedIn-Verbindung in einen Coffee Chat? Es ist ganz einfach: Nachdem ihr ein oder zwei Nachrichten ausgetauscht habt, fragst du nach einem Coffee Chat – auch Informational Interview genannt. Ein Coffee Chat ist ein informelles Gespräch von 15 bis 30 Minuten, telefonisch, per Video oder persönlich, bei dem du die Fragen stellst. Gleichzeitig bewertet die andere Person jedoch oft unbewusst, ob sie sich vorstellen könnte, später mit dir zusammenzuarbeiten. Betrachte es deshalb als ein Soft Interview, denn funktional ist es genau das. Außerdem kann die Person ihr Feedback möglicherweise intern bei ihrem Unternehmen dokumentieren.

In deiner Anfrage solltest du mehrere Zeitpunkte vorschlagen, die zu ihrem Zeitplan passen, und gleichzeitig erwähnen, dass du dich gerne nach ihrer Verfügbarkeit richtest. Wenn du nach einer Woche nichts hörst, solltest du nachfassen. Ein höfliches Follow-up nach fünf bis zehn Tagen kann deine Antwortquote erhöhen. Zwei bis vier Follow-ups insgesamt sind eine angemessene Obergrenze, bevor du weiterziehst. Danach wirkst du nicht mehr hartnäckig, sondern eher aufdringlich.

Wenn daraus ein Coffee Chat entsteht, solltest du eine 60- bis 90-sekündige Version deiner eigenen Story vorbereiten. Bereite außerdem mehr Fragen vor, als du wahrscheinlich stellen kannst. Mitten im Gespräch keine Fragen mehr zu haben, ist schlechter, als nicht alle Fragen stellen zu können. Gute Fragen beziehen sich beispielsweise auf den Karriereweg der Person, warum sie sich für dieses Unternehmen und nicht für andere entschieden hat und die Dynamik im Team. Vermeide Fragen, deren Antworten du einfach googeln könntest. Auch Beschwerden oder Fragen zu Vergütung oder Arbeitszeiten solltest du vermeiden, solange das Gespräch nicht eindeutig ein offeneres Vertrauensniveau erreicht hat.

Nach dem Gespräch solltest du innerhalb von 24 Stunden eine Dankes-Nachricht schicken. Halte außerdem deine Versprechen ein, falls du etwas zugesagt hast. Melde dich alle paar Monate mit einem echten Update zurück, zum Beispiel, wenn du ein Praktikum bekommen hast oder an einem relevanten Projekt gearbeitet hast. Genau dadurch wird aus einem einzelnen guten Gespräch eine echte professionelle Verbindung und möglicherweise ein/e Fürsprecher:in innerhalb des Unternehmens.

 

Häufige Fehler beim Networking für Finance Recruiting

HHier sind einige Fehler, die Finance-Studierende und Absolvent:innen beim Einstieg in die Branche über LinkedIn Outreach häufig machen und wie du sie vermeiden kannst:

  • Den Lebenslauf direkt an die erste Nachricht anhängen. Falls du dich fragst, ob du deinen Lebenslauf an eine Cold LinkedIn Message anhängen solltest: Die Antwort ist nein. Dadurch wirkt deine Nachricht wie eine Bewerbung, die sich als Networking-Nachricht tarnt, und du überspringst den eigentlichen Zweck eines Coffee Chats. Außerdem werden Anhänge von unbekannten Absendern häufig automatisch von Unternehmens-Spamfiltern markiert. Das kann später sogar deine Chance verringern, erneut in diesem Postfach wahrgenommen zu werden.
  • Zu früh aufgeben oder zu stark nachhaken. Erwarte, dass viele Menschen nicht antworten aber bleib konsequent. Viele Kandidat:innen verschicken einige Nachrichten, bekommen keine Antwort und schließen daraus, dass Networking für sie nicht funktioniert. Das andere Extrem ist jedoch aggressives Nachfassen, das schnell aufdringlich wirkt.
  • Zu früh nach etwas fragen. Eine Empfehlung (Referral), ein Vorstellungsgespräch oder direkt einen Job bereits in der allerersten Nachricht zu verlangen, ist der schnellste Weg, jemanden zu verlieren, bevor überhaupt eine Beziehung aufgebaut wurde. Die direkte Bitte, dich mit der richtigen Person zu verbinden, kommt erst später – nachdem du tatsächlich Vertrauen und eine Beziehung aufgebaut hast.
  • Einen Coffee Chat wie eine Checkliste behandeln. Vorbereitete Fragen einfach herunterzurattern, ohne wirklich auf die Antworten einzugehen oder echtes Interesse zu zeigen, schadet deiner Chance, eine Verbindung aufzubauen.

 

Fazit

LinkedIn Outreach im Finance-Bereich hilft dir dabei, die richtigen Alumni zu finden, eine Gruppe oder ein Unternehmen vor deiner Kontaktaufnahme besser zu verstehen und aus einer einzigen Antwort einen Coffee Chat und später möglicherweise ein Referral zu entwickeln. Halte deine Nachrichten kurz, gestalte deine Personalisierung ehrlich statt nach Vorlage, fasse nach, wenn du keine Antwort erhältst, und arbeite dich beim Networking von unten nach oben vor, beginnend mit Alumni. Nichts davon garantiert eine Antwort. Aber konsequentes Vorgehen und kontinuierliche Verbesserungen führen langfristig zu Ergebnissen.

Häufige Fragen zu LinkedIn Outreach im Finance-Bereich

LinkedIn Outreach bezeichnet den Prozess, mit Finance-Professionals in Kontakt zu treten, um Beziehungen aufzubauen, mehr über die Branche zu erfahren und Karrieremöglichkeiten zu erkunden. Es wird häufig ergänzend zu Networking-Events, Cold E-Mails und Informationsgesprächen genutzt.

Der ideale Zeitpunkt hängt vom Recruiting-Prozess der jeweiligen Zielfirmen ab. Bei strukturierten Recruiting-Prozessen wird generell empfohlen, mehrere Monate vor dem Öffnen der Bewerbungsphasen zu starten, während Unternehmen mit laufender Rekrutierung bereits früher kontaktiert werden können.

Professionelle Follow-ups, eine gute Vorbereitung auf Informationsgespräche und der regelmäßige Austausch mit relevanten Updates helfen dabei, Kontakte langfristig zu stärken. Networking ist am effektivsten, wenn es als kontinuierliche Beziehung und nicht als einmalige Interaktion verstanden wird.

Gute Anlaufstellen sind Alumni, Kontakte zweiten Grades, Professionals mit ähnlichem Hintergrund sowie Mitarbeitende auf Junior- bis Mid-Level-Ebene. Der Aufbau von Beziehungen über gemeinsame Verbindungen führt häufig zu besseren Antwortraten.

Eine starke Nachricht ist kurz, personalisiert und enthält einen klaren Grund für die Kontaktaufnahme. Sie sollte darauf abzielen, ein Gespräch zu beginnen, anstatt direkt nach einem Job oder einer Empfehlung zu fragen.

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