Deine Klientin ist die Besitzerin der Eisdiele TOTO in einer deutschen Großstadt. Das Geschäft läuft so gut, dass die Besitzerin eine weitere Filiale eröffnen will. Sie ist hellauf begeistert und möchte auf Nummer sichergehen. Sie fragt Dich daher: Ist das eine gute Idee?
Case Prompt:
I. Informationen und Struktur
Welche Gesichtspunkte hältst Du für wichtig, um Ihr eine Empfehlung auszusprechen?
Informationen, die dem Kandidaten auf Nachfrage erzählt werden können:
- Ab 30.000€ mehr Gewinn im Jahr will Sie die Idee umsetzen, ihr Hauptziel ist der (Mehr)gewinn
- Das betrachtete Stadtgebiet hat 500.000 Einwohner
- Es werden ausschließlich Eiskugeln verkauft
- Die Betrachtung bezieht sich auf einen spezifischen neuen Standort in derselben Stadt
- Die Eisdiele gibt es schon seit 20 Jahren, die Eisqualität hat einen sehr guten Ruf bei den Kunden
- Der Preis von 1,50€ pro Kugel ist überdurchschnittlich, aber das ist unseren Kunden aufgrund der hohen Qualität nicht so wichtig
- Die Liquidität das Projekt umzusetzen ist gegeben
Spätestens hier sollte der Interviewte nach dem Ziel der Klientin fragen.
In der Struktur sollten mindestens die Felder Umsatz und Kosten abgedeckt werden, denn aus diesen berechnet sich der Gewinn.
Die Struktur sollte möglichst klar und nicht redundant sein.
II. Umsatzprognose
Wie viel verkaufte Eiskugeln könnten wir im Jahr erwarten?
Das Diagramm 1 "Einzugsgebiet" und die Tabelle 1 "Verkäufe (ungelöst)" müssen geteilt werden. "
Informationen, die dem Kandidaten auf Nachfrage erzählt werden können:
- Das Jahr hat 365 Tage, 15 davon sind Betriebsferien, der Rest kann halb/halb in warme und kalte Tage aufgeteilt werden.
- Der Preis einer Eiskugel liegt im Durchschnitt bei 1,50€
Der Interviewte sollte erkennen:
- Die zweite Filiale "klaut" der ersten Kunden. Das ist dargestellt durch die Überlappung der "Einzugsgebietes".
- Eis ist ein saisonales Produkt, im Sommer wird mehr verkauft als im Winter
Umsatz = Preis * Menge
hier:
Jahresumsatz = 1,50€ * [# Eiskugeln im Jahr]
= 1,50€ * [ (Eiskugeln an warmen Tag) * (#warme Tage) + (Eiskugeln an kaltem Tag) * (#kalte Tage) ]
Annahmen:
- Die Kunden im überlappten Bereich teilen sich 50% / 50% auf die Geschäfte auf
- Die Kunden sind geografisch gleich verteilt
- Die Einzugsgebiete von Filiale 1 und Filiale 2 sind gleich groß
Daraus folgt:
- Der Filiale 1 entfallen die Hälfte von 40%, also 20% der Kunden.
- Filiale 1 und 2 verkaufen jeweils gleich viel.
# Eiskugeln im Jahr = 200*175 + 100*175 = 52.500
Jahresumsatz = 1,50€ * 52.500 = 78.750 €
# Eiskugeln im Jahr = (# Eiskugeln im Jahr Filiale 1) + (# Eiskugeln im Jahr Filiale 2)
= 175*160 +175*80 + 175*160 +175*80 = 84.000
Jahresumsatz = 1,50€ * 84.000 = 126.000 €
Es wird 47.250€ mehr Umsatz pro Jahr prognostiziert durch das Eröffnen der zweiten Filiale.
III. Gewinnprognose
Wie unterscheiden sich die Szenarien im Hinblick auf den Gewinn?
Der Interviewte muss hier nach den Kosten fragen, dann kannst du die Kostenstruktur in Tabelle 3 als "Case-Exhibit" teilen.
Kosten pro Jahr = Fixkosten + Variable Kosten
= 5.000€ + 30.000€ + 52.500 * 0,1€
= 40.250 €
Gewinn = Umsatz - Kosten
= 78.750€ - 40.250€
=38.500€
Kosten pro Jahr = Fixkosten + Variable Kosten
= 10.000€ + 45.000€ + 84.000* 0,1€
= 63.400€
Gewinn = Umsatz - Kosten
= 126.000€ - 63.400€
=62.600€
Der Unterschied im Gewinn liegt bei 24.100€ pro Jahr, also 5.900€ unter dem Zielbetrag der Klientin.
IV. Mehrmenge
Wenn wir die zweite Filiale eröffnen: Wie viel Eiskugeln müssten wir pro Jahr mehr verkaufen, um 5.900€ mehr Gewinn zu machen?
Gesuchte Menge = Mehrgewinn / Deckungsbeitrag
= Mehrgewinn / (Preis - Var.Kosten)
= 5.900€ / (1,50€ - 0,1€)
= 4214 (gerundet)
- Um das Ziel der Klientin - 30.000€ mehr Gewinn - zu erreichen, müssten wir ca. 4200 Eiskugeln im Jahr mehr verkaufen.
V. Weitere Optionen
Welche anderen Möglichkeiten, Expansion ausgeschlossen, siehst Du den Gewinn zu erhöhen?
Der Interviewte sollte erkennen, dass vor allem das Ergebnis an kalten Tagen verbesserungswürdig ist.
Maßnahmen könnten beispielhaft sein:
- Verkauf von Produkten wie Waffeln oder Getränken
- Preis Erhöhung der Eiskugeln
- Lizensierung des Geschäftsmodells an Dritte (z.B.: Umsatzbeteiligung)
- Rabatte für große Gruppen (z.B.: Schulklassen, Sportteams,..)
- Neue Kunden gewinnen durch spezielle Angebote (Bio, laktosefrei, vegan,..)
- Kleinere Kugeln zum selben Preis zu verkaufen
- Bonusstempelkarten, um mehr pro Kunde zu verdienen
- ...
Wichtig ist, dass hier nach dem Gewinn gefragt ist. Die Kosten müssen daher weiter im Auge behalten werden.
VI. Chancen & Risiken
Welche Vorteile bzw. Risiken siehst Du bezüglich der Expansion abseits des direkten Gewinnes?
Vorteile:
- Lernen wie man expandiert, gute Basis für weitere Expansion
- Bekanntheitsgrad wächst, da insgesamt mehr Kunden
- Die Marktmacht wächst
- Ein paar Kunde hätten dann kürzere Wege
- ...
Risiken:
- Höhere Fixkosten, wenn die Nachfrage wegbricht
- Eventuell höherer Aufwand als geplant
- Potentieller Imageschaden: "Masse statt Qualität"
- ...
VII. Abschließende Empfehlung
Deine Klientin würde nun gerne informiert werden. Was empfiehlst Du Ihr?
Der Mehrgewinn erfüllt nicht das Ziel der Klientin. Es sollte also abgeraten werden.
Gleichzeitig können andere Optionen den Gewinn zu steigern aufgezeigt werden.
Eine Beispielformulierung kann lauten:
"Die Klientin sollte keine zweite Filiale eröffnen, da sie nur einen Mehrgewinn von 24.100€ im Jahr zu erwarten hätte und nicht wie gewünscht mindestens 30.000€. Zusätzlich müsste man bei einer Expansion fürchten, dass ihr "Qualitätsimage" abgeschwächt wird, dadurch dass ihr Eis als Massenware wahrgenommen werden könnte."
Further Questions
Inwieweit unterscheidet sich eine Expansion in der selben Stadt zu einer Expansion in eine andere Stadt?
Inwieweit unterscheidet sich eine Expansion in der selben Stadt zu einer Expansion in eine andere Stadt?
CTcon Case: Das beste Eis der Stadt!
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