Case

zeb Case: Privatbank Musterstadt

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Problemdefinition

Die Privatbank Musterstadt verfügt zum 31. Dezember 2014 über eine Bilanzsumme von ca. 3 Mrd. Die Ende 2010 beschlossene Wachstumsstrategie des Hauses spiegelt sich dabei allerdings stärker auf der Kosten- als auf der Ertragsseite wider.

Aggregiert auf die Eigenkapitalrendite als im Haus definierte, zentrale Steuerungsgröße hat sich 2014 das negative Ergebnis von € -640.000 in einer Kennzahl von -0,3% niedergeschlagen. Von der vom Aufsichtsrat definierten Zielgröße von 20% EKR ist man meilenweit entfernt.

Nachdem auch für 2015 keine Besserung in Sicht ist, wendet sich der Vorstand der Privatbank an Sie!


Kommentare

Zu den Geschäftsberichten der Privatbank, die Ihr Kollege bereits aufbereitet hat, konnte Ihnen die Forschungsabteilung Ihres Hauses bereits erste Referenzwerte aus dem Privatbankensektor zusammenstellen.


Kurzlösung

Die Privatbank kann ihre EKR durch Maßnahmen an den Stellhebeln Sachkosten und Zinsen verbessern.

  • Mögliche Sachkostenpotentiale liegen beispielsweise in erhöhten EDV-Kosten, Werbe-/Marketingaufwänden oder Beraterkosten. Auch Kosten für Miete oder Reinigung für bzw. von Gebäuden stellen wesentliche Aufwandspositionen dar und sind entsprechend zu überprüfen.
  • Der Zinssatz für das Kreditprodukt ist wesentlich hinter dem Aktivzins des Wettbewerbs zurück. Demnach ist eine Überprüfung der Konditionenpolitik des Kreditproduktes zu empfehlen.
  • Eine Steigerung der EKR bei Erreichung der wettbewerbsüblichen Zinsergebnisse bzw. Sachkosten auf 21,4% ist möglich.


Detaillierte Lösung

Grün hervorgehobene Paragraphen deuten auf Diagramme/Tabellen hin, die mit dem Interviewten geteilt werden können. Du findest sie unter „Case-Exhibits“.

Blau hervorgehobene Passagen kennzeichnen Informationen, die dem Interviewten verbal mitgeteilt werden können.

Der Kandidat könnte nach folgendem Lösungsschema vorgehen:

Lösungsschema

I. Hintergrund

Hier sollte der Interviewte generelle Fragen über das Unternehmen und die Wettbewerber stellen.

Informationen, die bei Nachfrage mitgeteilt werden können:

Unternehmen

  • Die Privatbank Musterstadt hat sich auf 2 Produkte konzentriert:
    • Kreditprodukt mit einem Kundenvolumen von € 3 Mrd.
    • Einlagenprodukt mit einem Kundenvolumen von € 2,8 Mrd.
  • Neben diesen beiden Produkten hat die Bank lediglich das oben angegebene Eigenkapital in ihrer Bilanz.
  • Von weiteren Ergebnis- und Kostenbestandteilen wird für die Lösung der Fallstudie abstrahiert.

Wettbewerber

  • Der durchschnittliche Wettbewerber hat eine Bilanzsumme von € 3,5 Mrd. wobei dieser € 240 Mio. Eigenkapital vorhält.
  • Wesentliche Ertragskomponenten bilden das Zinsergebnis mit € 91,8 Mio. und das Provisionsergebnis mit € 63,8 Mio. Das Zinsergebnis des Wettbewerbers bildet sich aus der Verzinsung der Kreditprodukte mit durchschnittlich 3,75% bei einer Verzinsung der Kundeneinlagen von 1,22%.
  • Auf der Kostenseite stehen diesen Personalkosten i. H. v. € 63,4 Mio. und Sachkosten i. H. v. € 43,2 Mio. gegenüber.

Teile Diagramm 2 mit einer Übersicht der Entwicklung der EKR nachdem der Interviewte sie kalkuliert hat.

II. Analyse

Im Sinne einer strukturierten Analyse sollte zuerst die Eigenkapitalrendite kalkuliert werden, in dem das Ergebnis der Bank ins Verhältnis zum Eigenkapital gesetzt wird.

Eigenkapitalrendite

Eine Ergebnis-/Gewinnsteigerung ist möglich, wenn entweder die Erträge gesteigert oder die Kosten gesenkt werden.

Teile Diagramm 2 mit einer Übersicht der Entwicklung der EKR nachdem der Interviewte sie kalkuliert hat.

Nun sind vier Stellhebel zu analysieren, zwei auf der Ertrags- und zwei auf der Kostenseite:

  • Zinsergebnis
  • Provisionsergebnis
  • Sachaufwand
  • Personalaufwand

Zinsergebnis

Provisionergebnis

Sachaufwand

Personalaufwand

Teile Tabelle 1 mit einer Übersicht der Ergebnisentwicklung bei Nachfrage des Interviewten.

Schlussfolgerungen

  • Anhand der bereitgestellten Kennzahlen der Privatbank Musterstadt zeigt sich, dass die Eigenkapitalrendite von knapp 9% in 2012 auf -0,3% in 2014 gesunken ist und sich somit mehr als 20% vom definierten Zielwert entfernt befindet.
  • Bei einem Eigenkapital von € 200 Mio. ergibt sich bei vorgegebener Ziel-Eigenkapitalrendite von 20% ein notwendiges Ergebnis von € 40 Mio., welches die Bank in 2014 deutlich verfehlt. Das Ergebnis der Bank in 2014 liegt bei lediglich -0,68 Mio., sodass eine Ergebnislücke zur Zielwerterreichung von € 40,68 Mio. zu schließen wäre.
  • Deutlich wird, dass sich die Privatbank sowohl was den Provisionsertrag als auch was den Personalaufwand angeht auf einem wettbewerbsüblichen Niveau befindet. Hier sind keine wesentlichen Potentiale zu vermuten.
  • Anders sieht dies bei der Ertragskomponente Zinsüberschuss sowie beim Sachaufwand aus. Die beiden Stellhebel für eine Ergebnissteigerung lassen sich demnach auf ein Ertragspotential im Zinsergebnis von knapp 1% bezogen auf die Bilanzsumme und einem Kostenpotential im Sachaufwand von 0.5% aufteilen.

III. Maßnahmen

Hier ist der Schlüssel, um die Ergebnislücke zu schließen.

Sachaufwand

Für die Sachkosten stehen keine weiteren Informationen zur Verfügung, weswegen sich lediglich eine weitere Analyse der Struktur dieser vorschlagen lässt.

Mögliche Sachkostenpotentiale liegen beispielsweise in erhöhten EDV-Kosten, Werbe-/Marketingaufwänden oder Beraterkosten. Auch Kosten für Miete oder Reinigung für bzw. von Gebäuden stellen wesentliche Aufwandspositionen dar und sind entsprechend zu überprüfen.

Zinsergebnis

Für das Zinsergebnis bietet die Beschreibung der Ausgangssituation weitere Daten. Durch die Angaben zu den Kundenvolumina des Kredit- und des Einlagenproduktes lässt sich kalkulieren, dass der Aktivzins der Bank bei durchschnittlich 2,82% liegt, während die Bank als Passivzins 1,22% verdient.

Aktivzins

Aktivzins

Passivzins

Passivzins

Schlussfolgerungen

Für diese Kennzahlen zeigt der Wettbewerbsvergleich, dass die Einlagenkondition bzw. der Passivzins marktüblich ist, während der Zinssatz für das Kreditprodukt wesentlich hinter dem Aktivzins des Wettbewerbs zurückbleibt. Demnach ist eine Überprüfung der Konditionenpolitik des Kreditproduktes zu empfehlen.

IV. Schlussfolgerungen

Wie Diagramm 3 verdeutlicht, ist eine Steigerung bei Erreichung der wettbewerbsüblichen Zinsergebnisse bzw. Sachkosten auf 21,4% EKR möglich, was den Zielwert von 20% sogar übertrifft.

  • Allerdings ist zu konstatieren, dass eine Anhebung des Aktivzinssatzes nicht kurzfristig umzusetzen ist, weswegen kurzfristig lediglich aus möglichen Kostensenkungen eine Ergebnisverbesserung zu erwarten ist.
  • Eine genaue Quanitifizierung erfordert allerdings eine entsprechende bessere Disaggregation in einzelne Sachkostenbestandteile.

Schwierige Fragen

Welche wichtigen Funktionen eine Unternehmensberatung in diesem Fall übernehmen? Wie könnte die Struktur der Aufgabenfelder der Unternehmensberatung aussehen?

Vorgeschlagene Antwort:

Die erste wichtige Funktion, die eine Unternehmensberatung mit dem „Blick von außen“ erfüllen kann, wurde bereits abgeleitet. Durch umfangreiche Research-Arbeiten und Projekterfahrungen stehen den Beratern Benchmarkwerte zur Verfügung, die es erlauben, wie zuvor dargestellt, „marktübliche“ Ergebnisgrößen für einzelne Institute zu ermitteln und darüber Potentiale zu kalkulieren. Sofern sich ein Kreditinstitut dafür entscheidet, die Schließung der Ergebnislücke mit der Unternehmensberatung zu vollziehen, entstehen weitere Aufgabenfelder.

Teile Diagramm 3 mit einer Übersicht der Managementhierarchie (siehe unten).

Aufgabenstruktur

Weitere Fragen können von dir hinzugefügt werden, Interviewer!

Am Ende des Cases hast du die Möglichkeit herausfordernde Fragen zu dem Case vorzuschlagen (diese können beispielsweise für weitere Meetings genutzt werden, in denen der Interviewte den Case sehr schnell löst).

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Hugo
Experte
Current BCG Active Project Leader |Former A.T. Kearney |+8Y of consulting experience | Received 8 consulting offers in the past 2Y

Dear Future Consultant, At the beginning, it is tough to draw the line between the so called "initial questions" and the "structure." To master this skills would require practice, and what you have... (mehr)

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Lösungsschema


Ergebnisentwicklung


Entwicklung EKR


Kennzahlen


Aufgabenstruktur