FTI-Andersch Case: Funkstille – Kommunikationstechnik in der Krise

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Problemdefinition

Dein Mandant ist Vorstandsvorsitzender eines internationalen Herstellers von Kommunikationstechnik, der Funk AG. Die Funk AG produziert Antennen für diverse Anwendungen und sorgt für die Digitalisierung von Gebäuden. Deine Aufgabe ist es, den Mandanten bei der Ursachenforschung für die aktuelle Krise zu unterstützen, einen Maßnahmenplan zur Steigerung der Profitabilität zu erstellen, sowie den Weg aus der Krise aufzuzeigen.

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Dieser Case besteht aus drei Teilen. Zunächst geht es darum, die Treiber der aktuellen Krise zu identifizieren. Anschließend müssen adäquate Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität definiert werden. Zum Schluss soll der Kandidat die finanziellen Rahmenbedingungen für einen abschließenden Weg aus der Krise definieren.

Ein guter Kandidat unterstützt die qualitative Argumentation mit quantitativen Fakten. Wichtig ist hierbei effizient und strukturiert zu arbeiten, um den Blick für das Wesentliche zu behalten.

Kurzlösung

Lösung

Grün hervorgehobene Paragraphen deuten auf Diagramme/Tabellen hin, die mit dem Interviewten geteilt werden können. Du findest sie unter „Case-Exhibits“.

Blau hervorgehobene Passagen kennzeichnen Informationen, die dem Interviewten verbal mitgeteilt werden können.

Orange hervorgehobene Paragraphen kennzeichnen Hinweise, die Dir helfen, den Interviewten durch den Case zu führen.

1. Hypothesen für die Krisenursachen entwickeln

Frage den Kandidaten: „Was möchten Sie analysieren, um Hypothesen für die Krisenursachen zu entwickeln?" Es geht hier darum, ein Gefühl für Markt- und wettbewerbsseitige Treiber des Umsatzes sowie die Kostenstrukturen im Unternehmen zu erhalten.

Teile folgende Exhibits:
  • Internes Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Funk AG
  • Tabelle 1
  • Diagramm 1
  • Diagramm 2
  • Diagramm 3
  • Interview Marktexperte

Informationen, die dem Kandidaten auf Nachfrage mitgeteilt werden dürfen:
  • Die Funk AG ist führend in der Entwicklung der neuen margenstarken 5G-Technologie.
  • Es gibt kein professionelles Einkaufsmanagement.
  • Die Produktion ist komplex, könnte durch ein standardisiertes Baukastenprinzip aber vereinfacht werden.
  • Die Personalaufwandsquote ist im Vergleich zu Wettbewerbern hoch, da ein Teil der Produktion in Europa stattfindet.
  • Die sonst. betrieblichen Aufwendungen sind im Vergleich zu Wettbewerbern u.a. deshalb hoch, da aufgrund der weltweiten Produktionsstandorte hohe Logistikkosten anfallen.

Die Funk AG weist in den letzten Jahren einen rückläufigen Umsatz aus (Tabelle 1).

Dieser ist auf die rückläufigen Umsätze im größten Geschäftsbereich „Antennen“ zurückzuführen (Diagramm 1).

In der Gewinn- und Verlustrechnung fällt auf, dass der Personalaufwand und der sonstige betriebliche Aufwand nicht an die sinkenden Umsätze angepasst wurden (Tabelle 1). Um dies zu erkennen, müssen die noch fehlenden Personalaufwands- und sbA-Quoten (jeweils im Verhältnis zum Umsatz) ausgerechnet werden:

Personalaufwandsquote

sbA-Quote

Marktseitig wird die neue 5G-Technologie voraussichtlich ab 2022 marktreif sein und stark nachgefragt werden (Diagramm 2). Hier ist die Funk AG gut positioniert, da sie bekannt für ihre Innovationskraft ist. Zuletzt hat die Vorgängertechnologie dominiert (Diagramm 2). Hier kommt es auf eine kostengünstige Produktion an, um die alten Technologien preiswert anbieten zu können. Asiatische Hersteller sind hier im Vorteil (Interview Marktexperte). Durch diese Kostenvorteile konnten die asiatischen Wettbewerber in den letzten Jahren ihre Marktanteile deutlich ausbauen (Diagramm 3).

Fazit:
Die Funk AG ist als Innovationsführer im Zukunftsmarkt 5G gut aufgestellt, hat jedoch in den letzten Jahren verpasst, ihre Kostenstruktur an die aktuellen Marktgegebenheiten anzupassen.

2. Maßnahmen ableiten

Frage den Kandidaten: „Wie hoch ist die Ergebnislücke im EBITDA, die geschlossen werden muss, um nachhaltig wettbewerbsfähig zu sein? Mit welchen Maßnahmen könnte die Funk AG diese Lücke schließen?“

Teile Exhibit: Diagramm 4

Informationen, die dem Kandidaten auf Nachfrage mitgeteilt werden dürfen:
  • Der Full Year-Effekt der Maßnahmen wird im Jahr 2022 erreicht.
  • Der Plan-Umsatz für das Jahr 2022 beträgt € 1.840 Mio.

Die Peergroup weist im Jahr 2020 eine durchschnittliche EBITDA-Marge von 8,2% aus (Diagramm 4).

Der Planumsatz der Funk AG im Jahre 2022 beträgt € 1.840 Mio. Wendet man auf diesen Umsatz die EBITDA-Marge von 8,2% an, erhält man ein Ziel-EBITDA von € 150,9 Mio. (€ 1.840 Mio. * 8,2% = € 150,9 Mio.).

Das letzte realisierte EBITDA in 2020 beträgt € -52,6 Mio. Die Ergebnislücke im Jahr 2022 beträgt somit € 203,5 Mio. (€ 150,9 Mio. - (€ -52,6 Mio.) = € 203,5 Mio.).

Maßnahmen zur Schließung der Ergebnislücke können anhand der bereits vorliegenden Informationen abgeleitet werden und zielen auf die Anpassung der Kostenstrukturen ab. Es geht hier um ein qualitatives, strukturiertes Aufführen möglicher Ansätze:

  1. Reduktion der Personalaufwendungen:
    1. Konsolidierung von Produktionsstandorten
    2. Designänderungen zur Komplexitätsreduktion von Antennen
  2. Reduktion der sonstigen betrieblichen Aufwendungen
    1. Reduktion der Logistikkosten durch Zusammenlegung von Produktionsstandorten
    2. Zusammenlegung regionaler Vertriebsbüros
    3. Zentralisierung von Abwicklungsarbeiten
    4. Einführung von Shared Service Centern
    5. Outsourcing nicht betriebsnotwendiger Aktivitäten
  3. Reduktion des Materialaufwands
    1. Etablierung professioneller Einkaufsstrukturen
    2. Nachverhandlung bestehender Einkaufsverträge

Die Maßnahmen können z.B. auch anhand der Wertschöpfungskette dargestellt werden:

3. Rückführung der Finanzierung berechnen

Frage den Kandidaten: „Die Finanzierer haben die Rückzahlung der per 31.12.2022 bestehenden Finanzierung gefordert. Es sollen alle drei Geschäftsbereiche verkauft und die Erlöse verwendet werden, um die Finanzierung zurückzuzahlen. Berechnen Sie den notwendigen Verzicht der Banken.“

Teile Exhibit: Protokoll Vorstandssitzung vom 31.12.2022

Informationen, die dem Kandidaten auf Nachfrage mitgeteilt werden dürfen:
  • Das Bankguthaben der Funk AG zum 31.12.2022 beträgt € 45,0 Mio.
  • Die Finanzverbindlichkeiten der Funk AG zum 31.12.2022 betragen € 500,0 Mio.
  • Der Geschäftsbereich „Antennen“ wird im Rahmen eines Asset-Deals verkauft. Die Bewertung hierfür ist durch den Interviewee vorzunehmen.

Teile Exhibit: Tabelle 2

  • Der Geschäftsbereich „Speziallösungen“ wird über einen Share-Deal zu einem EBITDA-Multiple von 8x verkauft. Das EBITDA 2023P beträgt € 11,6 Mio.
  • Der Geschäftsbereich „Übertragung“ wird über einen Share-Deal zu einem EBITDA-Multiple von 6x verkauft. Das EBITDA 2023P beträgt € 2,8 Mio.
  • Nachlaufende Kosten zur Abwicklung der Holdinggesellschaft (Funk AG) betragen zwischen € 10,0 und € 20,0 Mio.
  • Während des Zeitraums der Abwicklung aller Verkäufe fallen Zinsen i.H.v. € 32,0 Mio. an, die das Net Debt erhöhen.

Das Net Debt der Funk AG zum 31.12.2022 beträgt € 455,0 Mio. (€ 500,0 Mio. Finanzverbindlichkeiten - € 45,0 Mio. Bankguthaben = € 455,0 Mio. Net Debt).

Der Geschäftsbereich „Antennen“ erlöst € 316,1 Mio. Die Logik der individuellen Wertansätze kann wie folgt begründet werden (Hinweis für den Interviewer: falls die Kaufpreisansätze des Interviewees und die dazugehörigen Begründungen plausibel sind, kann der Interviewer den Interviewee wahlweise mit den eigenen Ansätzen weiterrechnen lassen oder dem Interviewee die Kaufpreisansätze der Lösung zur Verfügung stellen):

  • Anlagevermögen: Da es sich beim Anlagevermögen im Wesentlichen um Immobilienvermögen handelt, kann ein Ansatz nahe den Buchwerten gewählt werden (z.B. 90%).
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung: Für Bürostühle und -tische sowie, Monitore, Laptops und ähnliches wird aufgrund der schnellen Alterung üblicherweise ein großer Abschlag auf den Buchwert vorgenommen (Ansatz z.B. 20%).
  • Vorräte: aufgrund von teilweise längeren Liegezeiten einzelner Vorräte kann hier ein Abschlag von z.B. 50% vorgenommen werden. Es kann aber auch gut für einen höheren bzw. niedrigeren Ansatz argumentiert werden.
  • Forderungen: Forderungen sind i.W. werthaltig. Ein Abschlag erfolgt für Risiken der Forderungseintreibung (Ansatz z.B. 80%).

Der Verkauf des Geschäftsbereichs „Speziallösungen“ führt zu Einzahlungen von € 92,6 Mio. (€ 11,6 Mio. EBITDA 2023P * 8x EBITDA-Multiple = € 92,8 Mio.).

Der Verkauf des Geschäftsbereichs „Übertragung“ erlöst € 16,8 Mio. (€ 2,8 Mio. EBITDA 2023P * 6x EBITDA-Multiple = € 16,8 Mio.).

Unter Berücksichtigung der maximalen nachlaufenden Kosten von € 20,0 Mio. sowie der Zinsen von € 32,0 Mio. beträgt die Rückführung an die Banken € 373,7 Mio. Die Banken müssen somit auf € 81,3 Mio. ihrer Forderungen verzichten (siehe Brücke).


Exhibits

Internes Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Funk AG:

Tabelle 1:

Diagramm 1:

Diagramm 2:

Diagramm 3:

Interview Marktexperte:

Diagramm 4:

Protokoll Vorstandssitzung vom 31.12.2022:

Tabelle 2:

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Internes Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Funk AG:

Tabelle 1:

Diagramm 1:

Diagramm 2:

Diagramm 3:

Interview Marktexperte:

Diagramm 4:

Protokoll Vorstandssitzung vom 31.12.2022:

Tabelle 2: