TKMC Case: Die Premiumstahl AG und der globale Beschaffungsmarkt

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Problemdefinition

Das Unternehmen Premiumstahl AG ist ein stahlproduzierender Konzern, welcher hauptsächlich in Europa tätig ist. Die Kerngeschäftsfelder sind die Stahlerzeugung und die Herstellung von Flachprodukten aus Qualitätsstahl, sowie die Erbringung von Dienstleistungen im Stahlbereich. Im Rahmen der Transformation von Premiumstahl AG hin zum grünen Stahl Player, kommt der Einkaufsvorstand Herr Müller mit der Bitte auf Sie zu, die Einkaufskosten zu senken, um Mittel für grüne Investitionen frei zu schaffen. Da bereits einige Optimierungsprojekte angestoßen wurden, bittet Sie der Vorstand sich näher mit dem Thema „Global Sourcing“ zu befassen.

Kurzlösung

Lösung

Grün hervorgehobene Paragraphen deuten auf Diagramme/Tabellen hin, die mit dem Interviewten geteilt werden können. Du findest sie unter „Case-Exhibits“.

Blau hervorgehobene Passagen kennzeichnen Informationen, die dem Interviewten verbal mitgeteilt werden können.

Orange hervorgehobene Paragraphen kennzeichnen Hinweise, die Dir helfen, den Interviewten durch den Case zu führen.

Aufgabe 1: Optimierungshebel

Herr Müller bittet Sie um eine kurze Erläuterung, welche Optimierungshebel neben dem Global Sourcing zusätzlich denkbar sind, um die Beschaffungskosten zu senken.

Diese Aufgabe dient primär dazu, den Einstieg in die Einkaufsthematik in einer freien Diskussion zu erleichtern. Hier könnte der Kandidat eine Vielzahl verschiedener Einkaufshebel nennen.

Auswahl möglicher Optimierungshebel:

  • Bedarf: Vorausplanung, Reduzierung, Substitute, Bündelung
  • Spezifikation: Standardisierung, Vereinfachung, Neugestaltung
  • Beschaffung: Lieferantenportfolio (Auswahl, Entwicklung von Lieferanten, Anzahl, Alternativleistungen), Ausschreibungsfrequenz, Rahmenverträge, Reklamationsmanagement, Neuverhandlungen
  • Ausführung: Lieferantenpartnerschaften/-workshops/-einbindung, Lieferkettenoptimierung, Bestandsmanagement

Aufgabe 2: Beschaffungskosten

Um eine Priorisierung der einzelnen Beschaffungsbereiche vorzunehmen, möchte Herr Müller wissen, welche der folgenden Beschaffungskosten Sie am besten beeinflussen können. Auf welchen Bereich lässt sich der Optimierungshebel „Global Sourcing“ am besten anwenden?

Exhibit 1 kann mit dem Interviewten geteilt werden.

a. Rohstoffe

Ein guter Kandidat könnte erwähnen, dass der Global Sourcing Ansatz vor allem für Rohstoffe sinnvoll ist und bspw. Länder für Erz und Kohle nennen, die diese Rohstoffe liefern.

  • Erz: Australien (>50% Weltmarktanteil an Exporten), Brasilien, Südafrika, Kanada
  • Kohle: Australien, Indonesien, Russland, USA, Südafrika
  • China ist größtes Abbauland, exportiert jedoch wenig

Rohstoffe, insbesondere Erz und Kohle, sind allerdings indexgebunden und daher stark abhgängig von globalen Märkten. Dementsprechend lassen sich diese Kosten kaum beeinflussen.

b. Dienstleistungen

Diesen Kostenblock kann man deutlich besser beeinflussen als Rohstoffe (siehe Aufgabe 1 für Optimierungshebel). Allerdings gibt es mehrere Gründe, weshalb Global Sourcing hier nicht sinnvoll ist, u.a.:

  • Zu hohe Kosten Personal aus dem Ausland zu nutzen (Transport, Unterkunft etc.)
  • Ad-hoc Einsätze, die über planbare Bedarfe hinausgehen
  • Eventuelle Sprachbarrieren auf Arbeitsebene

c. Reserveteile

Dieser Kostenblock lässt sich nicht nur gut entlang der in Aufgabe 1 genannten Optimierungshebel beeinflussen, sondern auch durch Global Sourcing. Da der Vorstand darum bat, sich mit Global Sourcing zu befassen, sollte der Kandidat erwähnen, dass Reserveteile in dieser Aufgabenstellung besonders relevant sind.

d. Sonstige

„Sonstige“ umfasst sehr viele kleinteilige, nicht zusammenfassbare, Positionen. Die Kosten um Angebote verschiedener Einzelbestellungen zu vergleichen, würden schnell die Einspareffekte übersteigen.

Herr Müller ist zufrieden mit den ersten Ergebnissen Ihrer Analyse bzgl. möglicher Hebel in der Beschaffungsoptimierung. Allerdings möchte der Vorstand bereits im nächsten Meeting Zahlen sehen, welche mögliche Einsparpotenziale darstellen. Da vor allem die Kaltwalzwerke schon seit Jahren mit hohen Kosten für die Instandhaltung der Walzen zu kämpfen haben, beauftragt Herr Müller Sie damit, den Global Sourcing Ansatz auf die Beschaffung der Walzen anzuwenden, da er hier die größten Einsparpotenziale vermutet.
Zu Vergleichszwecken haben Sie bei einem Kollegen aus dem Controlling die Kosten für die Beschaffung von Walzen aus dem letzten Geschäftsjahr angefragt. Diese beliefen sich auf 35.843.798,12 €.

Aufgabe 3: Kostenpositionen

Sie begegnen Herrn Müller im Aufzug. Dieser erkundigt sich nach dem Controllingbericht in Ihren Händen und bittet Sie vor dem nächsten Vorstandsmeeting um eine kurze Erläuterung der Zusammensetzung dieser Kosten. Da Ihr Kollege Ihnen keine weiteren Informationen zu der Zahl aus dem Bericht zukommen lassen hat, müssen Sie Herrn Müller erläutern, aus welchen Kostenpositionen sich eine solche Beschaffungssumme typischerweise zusammensetzt.
  • Der Großteil dieser Summe besteht aus dem vereinbarten Kaufpreis für die Walzen multipliziert mit der Menge.
  • Ein Faktor, welcher sich direkt auf die beschaffte Menge auswirkt, ist die Lebensdauer der Produkte. Walzen mit geringer Lebensdauer müssen öfter ausgetauscht werden.
  • Darüber hinaus sind aber auch weitere Bestandteile der Beschaffungskosten wie Logistikkosten oder ggf. Verwaltungskosten zu berücksichtigen.
  • An dieser Stelle kann der Kandidat auch Bezug auf andere mögliche Faktoren wie z.B. Kosten für Anlagenstillstände durch minderwertige Qualität anführen. Diese sollten allerdings explizit abgegrenzt werden, da diese nicht in den Beschaffungskosten enthalten sind.

Aufgabe 4: Lieferantenauswahl

Her Müller bittet Sie, mögliche Kosteneinsparungen bei den Kaltwalzwerken zu überprüfen. Folgende Informationen stellt Ihnen das Controlling zu den aktuell genutzten Kaltwalzwerken zur Verfügung:

  • Alle Kaltwalzwerke zusammen haben eine jährliche Produktionskapazität von 12,5 Mio. Tonnen und sind durchschnittlich zu 80% ausgelastet.
  • Die größte Kostenposition in der Instandhaltung der Kaltwalzwerke stellen die Walzen dar.
  • Um einen reibungslosen Produktionsablauf gewährleisten zu können, muss die konzernweite Instandhaltungsabteilung im Durchschnitt jede Walze nach 16,7 Tsd. Tonnen gewalztem Stahl ersetzen.
  • Aktuell werden die Walzen von dem Lieferanten "Sächsische Walzenwerke GmbH" bezogen.
  • Die Walzen werden in speziellen Containern á 7 Walzen geliefert.
  • Pro Container kostet der Transport aktuell 6.000€.
  • Kommt es durch eine defekte Walze zu einem Stillstand einer Anlage, so kostet dies pro Tag circa 500.000€.
  • Aktuell steht die Anlage circa 1,2 Tage aufgrund von defekten Walzen still.
  • Eine Walze des aktuellen Herstellers hat eine Lebensdauer von 8 Jahren.

Um die Kosten vergleichen zu können, stellt Ihnen ein Mitarbeiter der Marktforschungsabteilung folgende Daten zu auslandischen Lieferanten zur Verfügung:

Exhibit 2 kann mit dem Interviewten geteilt werden.

Welcher Anbieter bietet die größte Esparnis im Vergleich zum aktuellen Lieferanten?

Beispielrechnungen für den türkischen Lieferanten:

  • Menge: 12,5 Mio. t Kapazität * 80% Auslastung = 10 Mio. t Produktionsvolumen / 16,7 Tsd. t pro Rolle = ~600 (598,8)
  • Produktkosten 40.000 € * Menge 600 = 24 Mio. €
  • Logistikkosten: Anzahl Container 600 / 7 = 85,71 * 6000 € * 1,3 prozentuale Steigerung = 668.538 €
  • Stillstandskosten: Stillstandsschichten 8 Schichten / 3 pro Tag * 500.000 € = 1.333.333,33 €
  • Summe der Kosten: 26.001.871,33
  • Normierung auf Lebensdauer der aktuellen Rollen: Summe der Kosten / 90 * 96 =27.735.329,42 €

Der türkische Lieferant ist unter Berücksichtigung der Kosten für Stillstände und der Lebensdauer der Walzen am günstigsten.

Im Vergleich zum aktuellen Lieferanten ergibt sich eine Ersparnis von 23,9% (36.443.798,12 € - 27.735.329,42 € = 8.708.468,70 € / 36.443.798,12 € = 0,2389).

HINWEIS: 36.443.798,12 € beinhaltet Stillstandskosten für 1,2 Tage, welche in den Beschaffungskosten i.H.v. 35.843.798,12 € nicht inkludiert waren.

Als Sie Herrn Müller diese Ergebnisse im nächsten Meeting vorstellen, ist dieser verwundert über die großen Effekte der Kosten für Stillstände und Lebensdauer der Walzen der verschiedenen Lieferanten. Herr Müller fragt Sie, ob es Möglichkeiten gibt, den asiatischen Lieferanten zu beauftragen, unter der Voraussetzung, Kosten für Stillstände zu reduzieren und die geringere Lebensdauer zu verlängern.

Aufgabe 5: Qualitätskontrolle

Erläutern Sie kurz, welche Möglichkeiten für die Premiumstahl AG bestehen, die Qualität von Produkten bestimmter Lieferanten zu beeinflussen.
  • Vorgaben: Bestelltexte und Spezifikationen optimieren
  • Lieferantenauditierung und -präqualifizierung
  • Lieferantenentwicklung (Workshops, Lieferantentage)
  • Gemeinsame Produktentwicklung

Herr Müller bedankt sich für ihre aufschlussreichen Berechnungen und kündigt an, dass er in den nächsten Tagen noch einmal auf Sie zukommen wird, um die Planung von Möglichkeiten zur Verbesserung der Qualität des chinesischen Lieferanten anzustoßen.

Exhibits

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